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Biikebrennen auf Sylt

Jedes Jahr versammeln sich am 21. Februar zur Einbruch der Dunkelheit in jedem Ort der Insel die Bewohner. Mit Fackeln gehen sie in trauter Einigkeit – Sie sehen, so kann es auch gehen – zu „Ihrer“ Biike. Ungefähr eine Woche vor dem Ereignis werden Reisig, Baumschnitt und Weihnachtsbäume in nicht unerheblichem Maße zusammen getragen. Alles zusammen wird dann am Tag der „Biike“ zu einem großen Holzstoß aufgeschichtet.
Von dem Zeitpunkt an, wo der erste Weihnachtsbaum den „Biikeplatz“ erreicht hat bis hin zum eigentlichen Ereignis des Biikebrennens, wird schichtweise – und zwar Tag und Nacht – Wache geschoben. Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn es jemand aus dem Nachbarort gelänge, vorzeitig die Biike zu entzünden.
Diese Aufgabe der Wache übernehmen die Konfirmanden oder Jugendfeuerwehren der jeweiligen Inselorte. Allerorts ist das Streben nach dem größten Biikefeuer die eigentliche Motivation für so viel Disziplin: es ist immerhin noch ziemlich frisch um diese Jahreszeit. Besonders nachts. Wichtig für die Kleinen ist, dass die Woche Wache in gleichem Maße mit einer Woche „schulfrei“ belohnt wird..
Biike hat ein heidnisches Opferritual zum Ursprung. Die Götter sollten gnädig gestimmt werden und zudem sollte es den rauen Winter mit der Kraft des Feuers vertreiben. Ab dem 17. Jahrhundert, in dem die Männer fast ausschließlich mit dem Walfang ihr Geld verdienten – meist im Dienste geschäftstüchtiger, niederländischer Reeder – kam dem Biikefest eine neue Bedeutung zu. Von nun an wurde der Holzstoß zur Verabschiedung derer entzündet, die nun die folgenden Monate auf See verbrachten. Bereits Jungen ab dem 12. Lebensjahr wurden auf die gefährlichen Fahrten in die Nordmeere mitgenommen. Heutzutage kann man sich das schlicht nicht mehr vorstellen. Doch

der Wohlstand, der durch den niederländischen Einfluss das „Goldene Zeitalter“ für die Insel brachte, machte viele in ihren Entscheidungen risikobereiter.
Die Biike wurde dann von Frauen wie Männern im Reigen betanzt, wobei das Datum seinerzeit noch nicht exakt auf den 21.Februar festgelegt war. Dieses Datum ist gilt erst seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts als üblich.
Heutzutage dient die Biike weniger der Besänftigung der Götter oder der Verabschiedung der Seeleute. Vielmehr verkörpert sie die Verbundenheit mit der Insel und soll das Gemeinschaftsgefühl stärken.
Die Ansprache am Biikeplatz wird sowohl in Friesisch als auch auf Deutsch abgehalten. Danach wird gemeinschaftlich das friesische Nationallied „Üüs Sölring Lön“ – übersetzt: „unser Sylter Land singt“ – während zeitgleich die Flammen höher und höher in die Dunkelheit der Nacht aufsteigen. Jedes Mal zieht nach einiger Zeit ein tiefes Raunen durch die Menge, wenn die auf der Mitte des Holzscheites errichtete Tonne – als Symbol des Winters – vom Feuer zu Fall gebracht wird.
Nachdem dann alle mehr oder weniger durchgefroren die Kraft des Feuers verinnerlicht haben, löst sich das bunte Treiben an der Bilke auf. Es folgt der behagliche Teil: das traditionelle Grünkohlessen. Sie glauben nicht, wie lecker Kassler, Schweinebacke, Kochwurst und Kartoffeln sein können. Unbestätigten Gerüchten zufolge sind sogar schon Vegetarier der Versuchung erlegen… Dazu trinkt man Grog oder Teepunsch beim Klönsnack in fröhlicher Runde, und freut sich gemeinsam auf das nächste Jahr!

Petritag

Der Petritag, der seit jeher am 22. Februar stattfindet, war einstmals ein Gerichts-Tag. Ja richtig, es war der Tag im Frühjahr, an dem vormittags die Ting – Versammlung der Einheimischen, meist Männer, abgehalten wurde, um wichtige Angelegenheiten vor Beginn der Walfang-Saison zu beschließen. Nach erfolgreicher Einigung folgte dann, quasi zur Belohnung, ein Fest, bei dem die Inselbewohner gemeinsam bis in die Nacht sangen und tanzten.

Heute ist der Petritag noch immer ein Feiertag, an dem vor allem die Kinder ihre Freude haben. So ist an diesem Tag nicht nur wieder „schulfrei“, es gibt von den Omas & Opas einen „Schnopgroschen“. Dieser wird für den Petritanz am Nachmittag verwendet, der von den Schulen organisiert wird. Für die Erwachsenen ist das Fest, wenn überhaupt noch, auf den Abend beschränkt. Je nach Ort auf der Insel wird entweder friesisches Theater in Verbindung mit Tanz geboten, oder man trifft sich bei den Gastronomen, um den alten Sitten der Heimat zu gedenken.

© 2012 Inken Schlüter

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